Teil 6 : Way up North

Heute ist schon Donnerstag und wir sind seit dem letzten Blogeintrag ab Karlstad gut 950 Kilometer in Richtung Norden gefahren. Um ein grobes Ziel zum Navigieren zu haben, haben wir den Abisko Nationalpark eingegeben, der aktuell wo ich das hier tippe noch 500 Kilometer entfernt ist.

Die Hitzewelle, die wohl gerade zu Hause und in ganz Mitteleuropa vorherrscht, schwappt auch zu uns hoch und wir genießen die angenehmen Temperaturen und Sonne mittlerweile bis kurz vor 23 Uhr.

Wir fahren die meiste Zeit auf dem Inlandsvägen E45 und erfreuen uns an der immer wilder und karger werdenden Landschaft. Wälder, Flüsse, Seen, Moore und leider damit einhergehend nun auch massenhaft Moskiten. Dazu später mehr. Für mich hat dieser Teil Schwedens eine alaskanische Weite und Wildheit. Absolut ursprünglich und einfach mega schön. Besonders die Abendlichtstunden auf der Straße sind super, viele Autos sind nicht unterwegs.

Am Sonntag sind wir noch Richtung Mora gefahren und haben einen netten Platz im Wald am Fluss entdeckt, inmitten vieler leckerer Blaubeeren.

In der Früh gings noch im Schlafi zum Beeren zupfen.

In Mora haben wir dann getankt und einen tollen Spielplatz mit riesigem Sandkasten angesteuert, wo wir länger Pause gemacht haben.

In die Stadt sind wir dann auch noch kurz vorgebollert (mit dem Bollerwagen gefahren), ganz nett da.

Dann sind wir aber weiter in Richtung Hamra Nationalpark gefahren, den kleinsten Nationalpark Schwedens. Dort sind wir eine kurze Runde durch Moore und alte, wunderschöne Wälder gewandert und Johannes konnte über die Stege und Bretterwege viel selber laufen.

Allerdings gab es dann eine Stelle, wo wir dann sogar ein bisschen gelaufen sind, weil es so schlimm mit den Mücken wurde. Und das trotz Antibrumm & Co. Uff. Der Hamra Nationalpark gehört angeblich auch zu den Bären reichsten Gebieten Schwedens, aber zum Glück haben wir keinen gesehen.

Die Lupinen blühen hier am Straßenrand und es ist einfach schön!

Da es noch nicht so spät war, sind wir noch bis Sveg gefahren und haben uns dort am Badplats zu drei anderen Womos gestellt. Johannes wollte dann noch Planschen und hatte mega viel Spaß im seichten lauen Wasser.

Die dunklen Wolken sahen bedrohlich aus, aber außer ein paar Tropfen Regen war nichts los.

Am nächsten Morgen war der Himmel strahlend blau und wir haben uns viel Zeit gelassen bis zum Losfahren.

Ich hatte im Womo-Führer einen Stellplatz mit Waschmaschine mitten in der Pampa entdeckt und das Thema Wäsche musste dringend erledigt werden. Zu dem Platz ging es dank Google Maps über insgesamt 35km Schotterpiste, die aber super gut zu fahren war.

Das Anwesen mit dem Stellplatz ist noch relativ neu sag ich mal und schön gemacht. Die deutschen Besitzer waren gerade selber aber nicht da, so dass Johannes die mega Outdoor Spielküche, das Trampolin und die Rutsche ganz für sich alleine hatte.

Was unsere Laune etwas getrübt hat, war dann der Preis für eine Ladung Wäsche bzw. Trockner. 50 Kronen also 5€. Und ich wusste dass ich mindestens 3 Ladungen Wäsche und einen Trockner brauchte. Es wurden dann 4 und 2, obwohl wir die ganzen Tshirts so aufhängen konnten… Ich hoffe, ich muss die Prozedur in dem Umfang im Urlaub nicht nochmal machen…

Und was die Laune dann nochmal mehr trübte, waren die hier wirklich sehr, sehr vielen Mücken! Draußen essen war nicht möglich. Wir wollten auch einen Spaziergang um das Anwesen machen, aber haben nach fünf Minuten umdrehen müssen, weil wir so verfolgt wurden. Am Schlimmsten war es in der Nacht, weil sie, wie sich später herausstellte, durchs geschlossene Dachfenster oben reinkamen. Eine für mich fast schlaflose Nacht.

Am nächsten Morgen waren wir früh auf und mussten aber noch die restliche Wäsche trocknen und ein bisschen die Zeit tot schlagen, bevor es um halb 11 wieder losging, erst mal grob Richtung Östersund. Ein bisschen weiter nördlich ergab sich nachmittags ein Zwischenstop an einem Freibad mit Spielplatz, ideal bei den doch deutlich steigenden Temperaturen. Johannes hat sich selbst sein Eis bestellt.

Danach konnten wir nochmal gut weit fahren, bevor wir eine Pause zum Einkaufen und Brotzeit machen machten. Um kurz vor 18 Uhr fanden wir sogar endlich mal einen Systembolaget, einen schwedischen Alkoholladen. Nur dort gibt es Bier, Wein und Co. und immer nur bis 18 Uhr. Muss man wissen.

Irgendwie war Johannes gestern echt in guter Fahrtlaune. Nachdem wir erst ein paar Mal Pech hatten bei der Nachtplatz Suche und dann immer weiter fuhren, als Johannes schon im Schlafanzug war, gelangten wir sogar bis Sorsele, also 480 Kilometer nördlich vom Vorabend. Wir parkten auf dem Parkplatz vor einer Kirche mit Blick auf den Fluss bei Sonnenuntergang, der gestern um 22:40 Uhr war. Johannes ließ sich problemlos nach hinten umbetten und schlief gleich weiter.

Leider bekamen wir dann wieder sirrenden Besuch und ich fand eben heraus, dass die Dachluke die Schwachstelle ist. Also Gaffatape raus und dicht machen. Obwohl es derweil hell und recht laut war, ist Johannes nicht wirklich wach geworden. Ich musste aber noch um die 20 Biester erschlagen, bevor ich dann um kurz vor 1 Uhr auch schlafen konnte.

Nach dem Frühstück noch vor der Kirche fuhren wir zur Touriinfo, wo ich beim Vorbeifahren einen kleinen Spielplatz entdeckt hatte. Dort konnte Johannes noch ein wenig Toben und wir zwei Postkarten schreiben.

Die Touriinfo hatte ein kleines cooles Café und einen Laden für Souvenirs und Angelbedarf, nebst einem Bahnmuseum. Ich fand endlich ein neues Cappi, passend zu Simon seinem. 🙂

Danach ging es weiter Richtung Muddus Nationalpark, da hatte ich ja heute Morgen am Anfang des Blogs schon geschwärmt, wie schön die Straße und die Landschaft überall ist.

An einer Kreuzung entschloss Simon sich dann kurzerhand dazu, einen Anhalter mit riesigem Rucksack mitzunehmen. Er hieß Frederico, war Italiener und 40 Jahre alt. Ein Lebenskünstler, der schon zwei Monate in Schweden mit Rucksack unterwegs ist und gerade Richtung Abisko und Kungsleden wollte mit einem 28kg Rucksack und Vorräten für zwei Wochen. Da das Einsteigen und Begrüßen für Johannes Mittagsschlaf zu laut war, wurde er schlecht gelaunt wach und wir mussten um 12 eine Pause an einem See machen, wo ich schnell für alle Nudeln gemacht habe und Johannes etwas planschen konnte.

Erst wollte Francesco mit uns zum Muddus Nationalpark kommen, aber hat dann seine Pläne doch geändert und uns kurz nach Jokkmokk am Abzweig zum Sarek Nationalpark verlassen. Vorher hat er aber noch Simon seine alte Jeans geschenkt, und sich auch nicht davon abbringen lassen.

In Jokkmokk beziehungsweise kurz davor, haben wir übrigens den Polarkreis überquert.

Wir sind dann noch bis zur Straße zum Nationalpark weiter gefahren und haben nochmal drei Rentiere auf der Straße gesehen, so cool!

Da es aber schon knapp 16Uhr war, sind wir nicht mehr bis ganz rein zum Wandern gefahren, sondern haben kurzerhand an einem schönen Platz im Wald am See Halt gemacht, der unterhalb des Vattenfall Kraftwerks liegt. Bald gesellte sich noch ein Viano dazu und später ein Skoda mit Dachzelt.

Johannes hat am Strand Suppe gekocht und mit seinen Autos gespielt. Weil der Tag so heiß war, sind Simon und ich auch noch kurz ins Wasser gesprungen. Und zwar wirklich gesprungen, von einem Stein aus, weil sonst wären wir nie in das doch echt kalte Wasser gekommen. Brrrr. Aber sehr erfrischend!

Und das beste an dem Platz: nicht viele Mücken und im Auto war über Nacht dann gar keine! Juju!!

Ihr merkt, ich hab den Blog gestern nicht mehr geschafft und es ist mittlerweile Freitag, aber das macht ja nichts. Wir gehen jetzt wandern, obwohl es sogar hier über 30 Grad kriegen soll.

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